Ein starker Ammoniakgeruch aus dem Auspuff (oft beschrieben als scharfer „AdBlue®/DEF-Geruch“) ist ein Warnsignal dafür, dass im SCR-Abgasnachbehandlungssystem etwas nicht stimmt. Bei Euro-6/VI-Dieselmotoren ist das SCR-System dafür ausgelegt, NOx mithilfe von Ammoniak, der aus DEF/AdBlue® entsteht, in Stickstoff und Wasser umzuwandeln. Wenn Sie außerhalb am Endrohr Ammoniak riechen, bedeutet das häufig, dass Ammoniak nicht vollständig umgesetzt wird – typischerweise durch Überdosierung im SCR, falsches NOx-Feedback, Katalysatorsättigung oder temperaturbedingte Umsetzungsprobleme. Dieser Leitfaden erklärt die tatsächlichen Ursachen und bietet einen praxisnahen Diagnoseablauf für Techniker.
Was der Ammoniakgeruch tatsächlich ist (und warum er entsteht)
In einem SCR-System wird DEF/AdBlue® (wässrige Harnstofflösung) in den Abgasstrom eingespritzt. Dabei zerfällt es zu Ammoniak (NH3), der im SCR-Katalysator mit NOx reagiert. Wenn alles korrekt funktioniert, wird Ammoniak in der Reaktion verbraucht und Sie sollten am Endrohr keinen Ammoniakgeruch wahrnehmen.
Ein Ammoniakgeruch weist meist auf Ammoniak-Slip hin – also darauf, dass überschüssiges NH3 den Katalysator passiert, ohne zu reagieren. Das kann passieren, wenn:
- Zu viel DEF eingespritzt wird (Überdosierung)
- Das Feedback der NOx-Sensoren falsch ist (fehlerhafte NOx-Werte)
- Der Katalysator nicht effizient umsetzen kann (Sättigung oder reduzierte Aktivität)
- Die Abgastemperatur außerhalb des wirksamen SCR-Fensters liegt
Ursache #1: SCR-Überdosierung (zu viel DEF/AdBlue®)
Überdosierung ist eine der häufigsten Ursachen für Ammoniakgeruch. Das Motorsteuergerät berechnet die DEF-Dosierung anhand der NOx-Sensorwerte, des Abgasmassenstroms und temperaturbasierter Modelle. Wenn die Dosierung das Umsetzungsvermögen des Katalysators übersteigt, entsteht Ammoniak-Slip.
Häufige Gründe für Überdosierung
- Undichte DEF-Dosiereinheit: Der Injektor tropft, statt fein zu zerstäuben – besonders nach dem Abschalten.
- Fehlerhafte Dosierregelung: Probleme an Pumpe/Modul führen zu zu hoher Fördermenge.
- Software-/Kalibrierungsabweichung: Falsche Kalibrierstrategie (selten, aber nach Updates oder falschem Tuning möglich).
- Falscher „hoher NOx“-Wert: Der NOx-Sensor vor dem SCR meldet zu hohe NOx-Werte; das Steuergerät kompensiert mit mehr Dosierung.
Was Techniker häufig beobachten
- Ammoniakgeruch besonders nach starker Beschleunigung oder längerer Autobahnfahrt
- Kristallbildung rund um den Dosiereinlass (weiße Ablagerungen)
- SCR-bezogene Fehlercodes, die je nach Temperatur kommen und gehen
- Überdurchschnittlich hoher DEF-Verbrauch
Ursache #2: Falsches NOx-Sensor-Feedback (das Steuergerät dosiert falsch)
Euro-6/VI-Systeme verwenden typischerweise zwei NOx-Sensoren: einen vor dem SCR (Upstream / pre-SCR) und einen nach dem SCR (Downstream / post-SCR). Das Steuergerät nutzt diese Werte zur Dosierregelung und zur Bewertung der SCR-Effizienz.
Wenn einer der NOx-Sensoren ungenau ist, kann das Steuergerät falsch dosieren:
- Upstream-NOx zu hoch: Steuergerät überdosiert DEF → Ammoniak-Slip-Geruch.
- Downstream-NOx zu hoch: Steuergerät glaubt, die SCR-Effizienz sei zu niedrig → erhöht die Dosierung, obwohl der Katalysator in Ordnung sein kann.
- Downstream-NOx zu niedrig: Kann ein echtes SCR-Problem verdecken und die Diagnose verzögern.
Ursachen für falsches NOx-Feedback
- Alterung/Drift des NOx-Sensorelements
- Kabelbaum-/Steckerschäden durch Hitze, Korrosion oder schlechte Masseverbindung
- Falscher Sensor verbaut (nicht zur Anwendung passend)
- Abgasleck vor den Sensoren, wodurch Sauerstoff angesaugt wird und die Messwerte verfälscht werden
Wichtig: Ein NOx-Sensor kann „elektrisch OK“ sein (keine direkte NOx-Sensor-DTC) und dennoch unter realen Fahrbedingungen unplausible Werte liefern. Deshalb sind Live-Daten entscheidend.
Ursache #3: Katalysatorsättigung oder reduzierte Umwandlungskapazität
Der SCR-Katalysator benötigt die richtigen Bedingungen, um NOx effizient umzuwandeln. Wenn der Katalysator mit Ammoniak gesättigt wird oder seine Umwandlungskapazität nachlässt, steigt die Wahrscheinlichkeit für Ammoniak-Slip.
Typische kühler-/katalysatorbezogene Szenarien
- Niedrige Abgastemperatur: Die SCR-Umwandlung ist bei zu kühlen Abgasen schwach; Ammoniak kann unreaktiv durchgehen.
- Katalysatoralterung/Vergiftung: Thermische Belastung, Öl-Asche, Schwefel oder Verunreinigungen reduzieren die Aktivität.
- Ungleichgewicht im Abgasnachbehandlungssystem: Probleme in der Verbrennung erhöhen NOx/Ruß und belasten Katalysator und Dosierstrategie.
- Überlastung der Ammoniakspeicherung: Wiederholt hohe Dosierung kann den Katalysator mit NH3 „aufladen“, insbesondere in bestimmten Fahrzyklen.
Hinweise, die ein Techniker bemerken kann
- Ammoniakgeruch am stärksten nach langen Fahrten oder unter hoher Last
- SCR-Effizienz-Fehlercodes, obwohl NOx-Sensoren unauffällig wirken
- Plausibilitätsprobleme an Temperatursensoren oder ungewöhnliche EGT-Muster
- Änderungen der DPF-Regenerationshäufigkeit, die die Abgastemperaturen beeinflussen
Diagnoseablauf für Techniker (Euro 6/VI – praktische Schritte)
Nutzen Sie diesen Schritt-für-Schritt-Workflow, um Vermutungen zu vermeiden und die tatsächliche Ursache des Ammoniakgeruchs zu finden.
Schritt 1: Betriebsbedingungen bestätigen
- Wann tritt der Geruch auf? (Kaltstart, Autobahnlast, nach Regeneration, nach dem Abstellen)
- DEF-Verbrauchstrend prüfen (plötzlicher Anstieg deutet auf Überdosierung hin)
- Fahrprofil des Kunden verifizieren (Kurzstrecken halten das SCR oft zu kalt)
Schritt 2: Fehlercodes + Freeze-Frame auslesen
- SCR-/NOx-bezogene Codes und Freeze-Frame-Daten dokumentieren
- Auf verknüpfte Temperatur-, Dosier- und Abgasdruckcodes achten
- Codes nicht löschen, bevor die Daten gesichert sind
Schritt 3: Sichtprüfung (schnelle Treffer)
- Abgaslecks vor den NOx-Sensoren und im Bereich der SCR-Anlage prüfen
- Bereich des DEF-Injektors auf weiße Kristallablagerungen prüfen (Leck/Tropfen)
- Kabel/Stecker in Hitzezonen prüfen (NOx- und EGT-Sensoren)
Schritt 4: Plausibilitätscheck per Live-Daten
- Upstream- vs. Downstream-NOx-Werte unter gleichmäßiger Last vergleichen
- Abgastemperaturen auf realistische Betriebsbereiche prüfen
- Dosiervorgabe/Ansteuerung beobachten (Spitzen oder ungewöhnliche Muster)
Faustregel: Wenn Upstream-NOx ungewöhnlich hoch ist, aber das Motorverhalten normal wirkt, zuerst die Sensor-Plausibilität prüfen – bevor ein Katalysator ersetzt wird.
Schritt 5: Zustand der NOx-Sensoren bestätigen
- Versorgung/Masse und Steckverbindungen prüfen
- Auf „Flatlining“ (Wert bleibt stehen) oder unrealistische Sprünge bei Lastwechseln achten
- Wenn möglich: Vergleichstest mit einem bekannten, passenden OE-Referenzsensor
Schritt 6: DEF-Hardware prüfen
- Dosiermengen-Tests durchführen (wenn verfügbar nach OEM-Vorgabe)
- Sprühbild des DEF-Injektors prüfen und auf Tropfenbildung achten
- DEF-Qualität/Konzentration prüfen, wenn Kontamination vermutet wird
Schritt 7: Umwandlungskapazität des Katalysators bewerten
- Wenn Sensorik und Dosierung bestätigt OK sind: SCR-Effizienz bei korrekten Temperaturen bewerten
- Bei dauerhaft niedriger Umwandlung Katalysatoralterung/Vergiftung in Betracht ziehen
- Prüfen, ob vorgelagerte Verbrennungsprobleme (Injektoren/EGR/Ladedruck) zu instabilem NOx-Ausstoß führen
Techniker-Tipp: Viele „SCR-Katalysator“-Tausche werden in Wirklichkeit durch falsches NOx-Feedback oder Probleme an der Dosierhardware verursacht. Sensoren immer zuerst validieren.
Wie DieselFixNeuss bei Ammoniakgeruch und SCR-Beschwerden hilft
DieselFixNeuss (Diesel Fix Neuss) unterstützt Werkstätten und Flotten mit anwendungsspezifischen NOx-Sensoren und weiteren Dieselkomponenten, die zur Stabilisierung der Abgasnachbehandlung beitragen. Da Dosierentscheidungen im SCR stark von korrektem NOx-Feedback abhängen, kann ein driftender oder nicht passender Sensor zu Überdosierung, Ammoniak-Slip und wiederkehrenden Reklamationen führen. Unsere Produkte ansehen.
So unterstützen wir nachhaltige Reparaturen:
- Geprüfte, OE-passende NOx-Sensoren zur Wiederherstellung korrekter pre-/post-SCR-Werte
- Fitment-Support nach OE-Teilenummer, um Fehlzuordnungen zu vermeiden
- Systemorientierte Unterstützung, um NOx-, Temperatur- und Dosierverhalten mit der tatsächlichen Ursache zu verknüpfen
Wenn Sie mit Ammoniakgeruch und wiederkehrenden SCR-Fehlern zu tun haben, ist eine präzise NOx-Messung oft der schnellste Weg zu einer stabilen Lösung.
Fazit
Ein Ammoniakgeruch aus dem Auspuff ist nicht „normal“ – er weist meist auf Ammoniak-Slip hin, verursacht durch SCR-Überdosierung, falsches NOx-Sensor-Feedback oder Katalysatorsättigung bzw. reduzierte Umwandlungskapazität. Die richtige Reparatur basiert auf strukturierter Diagnose: Betriebsbedingungen bestätigen, Live-NOx- und Temperaturdaten protokollieren, Lecks und Kristallbildung prüfen, Sensor-Plausibilität verifizieren und erst danach die Katalysatorleistung bewerten.
Mit dem richtigen Diagnoseablauf und OE-passenden, geprüften NOx-Sensoren von DieselFixNeuss können Techniker unnötigen Teiletausch reduzieren, die SCR-Funktion stabilisieren und teure Rückläufer bei Euro-6/VI-Dieselfahrzeugen vermeiden.